Die Thespisnarren

 
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Jubiläumsansprache der Stadtpräsidentin Charlotte Paschen
am 30. August 2004
 
Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
lieber Heiner,
meine sehr verehrten Damen und Herren,
 
ich danke Ihnen sehr für die Einladung zu Ihrem 30jährigen Jubiläum,
wir - und hier spreche ich auch für meinen Mann -
wir sind sehr gern gekommen.
 
Ganz offiziell möchten ich Ihnen zunächst einmal die herzlichsten Grüße und Glückwünsche zu Ihrem Jubiläum von unserem Bürgermeister, Herrn Hans-Joachim Grote und der gesamten Stadtvertretung ausrichten. Einige Kolleginnen und Kollegen sind heute ja anwesend. Herr Grote bedauert es sehr, dass er an dieser Veranstaltung nicht teilnehmen kann, die schon etwas Besonderes ist, aber Sitzungen kann man nicht einfach ausfallen lassen.
 
Wie Sie alle ja schon in der Zeitung lesen konnten, sind wir beide vor 30 Jahren - mein Mann in der Rolle als "Narr" - und ich als "die dusselige Else vom Ekel Alfred" vor´s Publikum getreten - Sie erinnern sich bestimmt noch an diese Fernsehsendung. Mit Sicherheit habe ich vor 30 Jahren keinen Gedanken daran verschwendet, dass ich einmal in der heutigen Funktion vor Ihnen stehen würde.
 
Ich habe viel dazu gelernt. Oder doch nicht?
 
Eigentlich hat man nur die Bretter getauscht, welche für manchen ja die Welt bedeuten. Es kommt immer auf den Standpunkt an! Glauben sie mir: Gestandenheit und ein gerütteltes Maß an Selbstvertrauen braucht man für beides. Die öffentliche Meinung ist sehr schnell mit dem Wort, sie weiß es immer besser. Ich denke, unsere gemeinsame Vergangenheit verbindet, heute genauso wie damals.
 
"Kinder, wie die Zeit vergeht"! hieß ein berühmter Schlager aus den Zwanziger Jahren. Und so kann man es kaum fassen, dass es die Thespisnarren schon 30 Jahre gibt.
 
Welch ein furioser Beginn damals. Ich erinnere mich noch sehr genau daran. Ein bis auf den letzten Platz gefüllter Festsaal am Falkenberg, der erste Auftritt eines Norderstedter Kabarettensembles, unbeschreibliches Lampenfieber vor und hinter der Bühne (und zwar bei allen Beteiligten), auch bei Jörg-Peter Hahn, einem Mann, der sich diesem Metier mit Leib und Seele verschrieben hatte.
 
Dann der Auftakt mit dem Song: "Die Thespisnarren" heißen wir, wir heißen Sie willkommen...
 
Alle wurden sie auf´s Korn genommen, es war ein kabarettistisches Feuerwerk, das vor den Zuschauern abbrannte. Das Publikum war begeistert, und wir, wir konnten es kaum fassen, das wir es geschafft hatten, Norderstedt zu begeistern. Am Ende hieß es dann: Die kleine Stadt will schlafen geh´n, die Lichter gehen aus... Die kleine Stadt ... , auch heute erscheint sie manchmal sehr klein ...
 
30 Jahre! Wir alle, Sie im Parkett und wir auf der Bühne, meine Damen und Herren, waren damals jung, voller Elan. Wir waren begeistert von der Idee, ein Kabarett in Norderstedt zu installieren. "Norderstedt eine Idee voraus"? Nein, "Thespisnarren eine Idee voraus", denn es funktionierte.
 
Jörg-Peter Hahn verstand es, diese Truppe zusammenzuschweißen und sie zu formen. Er schrieb unvergessliche Texte wie: "Störet unsere Krise nicht", "Zwei Kreuze für ein Halleluja" usw. Und die Stadtpolitiker lieferten die Vorlagen, Jörg-Peter Hahn spießte sie alle, mit spitzer Feder, aber immer fair.
 
Nun nützt der beste Stoff nichts, wenn die Personen, die es dem Publikum darbringen sollen - wenn diese Personen nicht mit Hingabe und Leidenschaft dabei sind. Wenn sie sich nicht "verzehren" können. Wenn sie sich nicht unter- und einordnen können, wenn sie sich nicht gängeln und leiten lassen wollen. Kurz: Wenn sie nicht bereit sind, ihre ganze!!! Kraft in die Proben und die Aufführung zu stecken. Und da hatte Jörg-Peter Hahn in den Spielern - hervorgegangen aus dem Norderstedter Amateurtheater, der Norderstedter Talentschmiede - schon sehr gute, professionelle Leute gefunden. Dann kam 1995, wir wissen, wie es dann weiterging. Die Stadtvertretung hat die großartige Leistung von Jörg-Peter Hahn durch die Benennung des Straßenplatzes neben der neuen TriBühne in "Jörg-Peter Hahn Platz" gewürdigt.
 
Welch ein Geist in diesem Kabarett steckt, sieht man daran, dass die Spieler nicht aufgaben. Danke deshalb an den Vorsitzenden Heiner Nack, der durch und mit seiner Art, auf seine Art, diese Truppe zusammenhält. Danke deshalb an den Regisseur Herrn Rainer Gerlach, der es scheinbar versteht, sich bei der Truppe durchzusetzen. Danke vor allem an alle "Mitspieler" hinter den Kulissen, von denen es unerbittlich abhängt, dass es auf der Bühne klappt, und Danke an die Spieler auf der Bühne, die uns allen einen entspannten, frohen, wunderbaren Abend lang den Alltag vergessen lassen und ihn uns doch so nahe bringen, indem sie uns durch ihre "kabarettistische Lupe" blicken lassen. Eben so, wie es denn nur ein Kabarettist kann. Immer dem Leitmotiv folgend: Ein Tatsch von Klatsch, in unseren kleinen Stadt ... Die Politiker, und damit meine ich natürlich auch meinen Mann und mich - wir alle bemühen uns redlich, genügend Stoff zu liefern und ein Ende ist bestimmt nicht abzusehen.
 
Noch einmal: Ich habe mich über Ihre Einladung zu Ihrem 30jährigen Jubiläum sehr gefreut. Mein Budget als Stadtpräsidentin ist bescheiden, ich habe Ihnen deshalb statt eines Blumenstraußes einen Brief mit ein paar Euro mitgebracht. Ich gratuliere Ihnen allen, liebe Thespisnarren, zum heutigen Jubiläum! Halten Sie uns allen weiterhin den Spiegel vor. Wer lernfähig ist, der wird daraus seine Schlüsse ziehen.
 
Schön, dass ich heute Abend hier stehen durfte, um Ihnen einmal das zu sagen,
was ich Ihnen schon immer einmal sagen wollte:
"Danke für viele unterhaltsame Abende"!
 
Ihre Charlotte Paschen